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Aktuelles

12.11.09 - 15:45 Uhr

Kauf des Archivs der Freiherren von Preuschen

Das 1964 und 1968 in einem umfangreichen Findbuch (Urkunden und Akten) von Dr. Jost Kloft erschlossene Archiv der Freiherren von Preuschen war in Osterspai im mittelalterlichen Wohnturm der Familie an der Rheinuferstraße untergebracht. Dort hat es in der Vergangenheit (zuletzt 1994) mehrfach durch Hochwassereinbrüche Schaden genommen. Aufgrund der latent weiter bestehenden Gefahr neuer Schädigungen, der mangelnden Sicherheit vor Ort und der schlechten Zugänglichkeit für die historische Forschung hat sich Dr. Rüdiger Frh. von Preuschen nach enger Beratung mit dem LHA Koblenz (federführend Archivdirektor Dr. Brommer) entschlossen, das Adelsarchiv an das LHA Koblenz auf der Grundlage eines Vertrages vom 26.8./28.9.2009 zu verkaufen. Hiervon wurden nur einige wenige für die Familiengeschichte bedeutsame Urkunden ausgenommen und als Depositum übergeben. Das gesamte 48 Regalmeter umfassende Archiv wurde am 23.9.2009 nach Koblenz verbracht, dort zunächst zum Trocknen ausgebreitet und anschließend nach der Nummernfolge geordnet. Dabei mussten leider auch einige Verluste (u.a. das Urkundenkopiar) festgestellt werden, die das Archiv in den letzten Jahren erfahren hat. Nach einer notwendigen Umsignierung wird das Archiv später als Best. 53 C 54 geführt.

Es betrifft die engere Umgebung von Osterspai auf der rechten Rheinseite und ist nach dem Kauf des umfangreichen Archivs der Grafschaft Holzappel und der Herrschaft Schaumburg in den Jahren 1989 und 1990 somit das zweite größere rechtsrheinische Adelsarchiv, das das LHA in der letzten Zeit erwerben konnte. Dies ist deshalb so überaus wichtig, weil sich aus dem Koblenzer Archivsprengel aufgrund der Folgen der französischen Revolution einige bedeutsame Adelsarchive heute an anderer Stelle befinden (z.B. Virneburg in Wertheim, Manderscheid in Prag, Boos von Waldeck in Pilsen).

Der am 8. März 1782 durch Kaiser Joseph II. in den Adelsstand erhobene markgräfliche Regierungsrat Georg Ernst Ludwig Preuschen erhielt auch das Recht, sich nach seinen Gütern zu benennen, die er mit einem rechtmäßigen Titel besitze. Dieser Fall trat bereits ein Jahr später ein, als ihn nämlich am 11. Juli 1783 das fürstliche Gesamthaus Nassau mit der reichsunmittelbaren Burg Liebenstein und dem der mittelrheinischen Reichsritterschaft einverleibten Dorf Osterspai „eventualiter“ belehnte. Diese beiden Lehen hatten das 1637 erloschene Geschlecht der von Liebenstein und danach die Freiherren von Waldenburg gen. Schenkern zu Mannlehen inne. Kaiser Leopold II. erhob Georg Ernst Ludwig am 28. Juli 1791 in den Reichsfreiherrenstand und gestattete demgemäß auch die Hinzufügung des Beinamens „von und zu Liebenstein“. Nach dem Tod von Frh. Karl Friedrich von Waldenburg gen. Schenkern, der am 25. Juni 1793 ohne Erben verstorben war, sollte Frh. Georg Ernst Ludwig von Preuschen von und zu Liebenstein 1794 dessen an Nassau heimgefallenen Lehen erhalten, starb jedoch kurz vor der Lehensübertragung, so dass die eigentliche Lehensübertragung erst am 24. Januar 1800 an dessen Söhne durch Fürst Karl Wilhelm zu Nassau erfolgt ist.

Der Wert des Archivs der Freiherren von Preuschen besteht nicht zuletzt darin, dass es auch die Archivalien der Rechtsvorgänger umfasst und somit in den Originalunterlagen bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückreicht. Es beinhaltet neben Beziehungen zu anderen Familien vornehmlich allgemeine Verwaltungssachen (Güterbeschreibungen, Geschäftsprotokolle), Forst-, Jagd- und Fischereisachen, Kirchen- und Schulsachen, Kriegslasten, Rechnungsangelenheiten, Regalien und Justizangelegenheiten (darunter auch Hexenprozesse), wie das in einem Adelsarchiv üblicherweise zu erwarten ist.

 

Literaturhinweis: Christopher Freiherr von Preuschen-Liebenstein, Reichsunmittelbare „Landesherrlichkeit“ in Osterspai am Rhein. Eine Gemeindeautonomie aus dem Mittelalter bis in das Jahr 1806. In: Nassauische Annalen 118 (2007) S. 449-456


 

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